Qi Gong

Durch Bewegung zur Ruhe kommen

Der Kranich fliegt, hebt seine Flügel in gleichmäßigem Schlag, auf und ab. Jede in der Gruppe ist gerade der Kranich, verlagert das Gewicht langsam von einem Bein auf das andere und vollzieht nach Ansage der Kursleiterin Bewegungen und Tagesablauf des Kranichs nach. Beim „Aufwachen“ und „Losfliegen“ ist der Gleichgewichtssinn gefragt, es muss nämlich länger auf einem Bein gestanden werden. Renate Meyer schaut immer wieder, ob alle Mitglieder ihrer Hui Chun Gong (Qi Gong) Gruppe in der Villa Edith ihr folgen können und die Abläufe richtig ausführen.

Der langsame und bewusste Bewegungsablauf braucht viele Muskeln und Gelenke, der ganze Körper ist in Bewegung, wechselt zwischen Anspannung und Entspannung. Vielleicht erinnert mich morgen ein kleiner Muskelkater an den fliegenden Vogel des Vortags? Für heute werde ich gelassene gute Laune mit nach Hause nehmen… Hier ist das Grundprinzip der Qi Gong (sprich „tschi Gong“) zu sehen. Im Wechsel von sanfter Anspannung und Entspannung, im Zusammenspiel von Konzentration und Achtsamkeit.

Wegener KlalngQi Gong – das man auf sehr verschiedene Weisen schreiben kann, da die chinesische Bildschrift in unsere Buchstabenschrift übertragen werden muss – ist ein „moderner chinesischer Begriff für eine Vielfalt von Traditionen des kunstvollen Umgangs mit Qi. Qi könnte mit Lebensenergie, Vitalität, Lebendigkeit, Beseeltheit übersetzt werden. Gong bedeutet beharrliches Üben“, schreibt die deutsche Qigong-Gesellschaft auf ihrer Internetseite. Und weiter: „Aus der Sicht der chinesischen Medizin bedeutet das freie Fließen des Qi durch die Meridiane, die Energiebahnen im Körper, dass der Mensch gesund ist und seine Organe, die mit den Meridianen verbunden sind, harmonisch zusammenarbeiten. Wenn wir uns kraftlos und mutlos fühlen, dann fließt das Qi nicht ungehindert. Wenn wir Schmerzen haben, staut sich das Qi. Wenn wir strahlend, optimistisch und voller Tatendrang sind, dann fließt unser Qi ungehindert. Mit Qigong wird der Qi-Fluss angeregt und die Gesundheit gestärkt.“


Heilsame Bewegung

Die Übungen sind wichtiger Bestandteil der altüberlieferten chinesischen Medizin und sie werden als Methode zur Lebenspflege und Gesundheitsförderung eingesetzt. Energiebahnen (Meridiane) werden durch die Bewegungen aktiviert, Körper und Geist kommen (wie auch bei anderen asiatischen Bewegungstechniken) wieder in Einklang. „Gerade für Menschen mit hoher beruflicher Belastung sind die meditativen Übungen ideal“, weiß Simone Stehle, die seit 12 Jahren Qi Gong und Taijiquan praktiziert. Ab Mai bietet sie donnerstags in der Früh Übungsstunden in Celler Innenhöfen an. An die Tradition des öffentlichen, gemeinsamen Übens, wie es in China praktiziert wird, knüpft sie ebenso an, wie der Celler Kneipverein, der ab Mai im Heilpflanzengaren und dem Französischen Garten Qi Gong Kurse anbietet.
Auch Volkshochschule und Familienbildungsstätte, die Celler Kung Fu Schule sowie verschiedene Einzelpersonen haben die Übungen für Bewegung, Achtsamkeit und Energieausgleich im Programm. Da Qi Gong ein Weg ist, zu dem kontinuierliches Üben gehört, lohnt es sich sicher, in verschiedenen Kursen und bei verschiedenen Lehrern zu lernen. Qi Gong trainiert die Selbstwahrnehmung, fördert Entspannung und inneren Einklang und kann der Prävention von Krankheiten dienen und durch seine ganzheitlichen Aspekte Gesundheit fördern.

Andrea Hoffmann

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