Weisser Kittel – Schwarzes Schaf?

Ausgabe06

Ausgabe 6, September-Oktober 2012

Organspende-Skandale zeigen Mängel im Vergabesystem 

 

Organhandel statt Vergabe nach Warteliste, Bonuszahlungen für Organverpflanzungen, Manipulationen von Labordaten vor Transplantationen, Bevorzugung von Patienten bestimmter Nationalität – Auswüchse einer Situation, die von einem Mangel an Spenderorganen bestimmt ist und offenbar in Eigenregie der medizinischen Einrichtungen nicht geregelt werden kann.

  

Das verantwortungslose Verhalten Einzelner und die prekäre Mangelsituation trafen dabei auf unheilvolle Weise zusammen. Viele Menschen fragen sich nun, ob ein mitgeführter Organspendeausweis zum Beispiel nach einer schweren Unfallsituation im „präfinalen Stadium“

 

nicht mitunter ihr endgültiges Todesurteil bedeuten kann, weil allzu schnell auf die Vorbereitung zur Organspende hingewirkt wird, statt dass alle Möglichkeiten zur Lebensrettung doch noch ausgeschöpft werden. Was sind die tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen? Über diesen schmalen Grat zwischen Leben und Tod weiß der Laie wenig. Hier wird der Gesetzgeber nachregulieren.

  

Das neue Transplantationsgesetz

  

Am 1. August 2012 trat das „Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes“ in Kraft, am 1. November folgt nun das „Gesetz zur Regelung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz“. Unabhängig von der laufenden Aufarbeitung der Organspendeskandale werden Transplantationen jetzt durch neue gesetzliche Regeln flankiert, die an geltendes EU-Recht angepasst wurden. Die wichtigsten Inhalte haben wir hier kurz für Sie zusammengefasst:

 

 

Transplantationsbeauftragte organisieren und überwachen künftig in den Kliniken die Organspende. Sie kooperieren mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), unterstützen das Krankenhauspersonal und betreuen die Angehörigen. Die Bereiche Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sollen zu künftig organisatorisch und personell voneinander getrennt sein. Die Transplantationszentren haben Wartelisten zu führen, denen entsprechend Spenderorgane bundeseinheitlich für geeignete Patientinnen und Patienten vermittelt werden. Den Tod des Spenders müssen künftig zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen und dokumentieren.

 

 

Die Krankenkassen von Organempfängern müssen zukünftig die Kosten aller in Zusammenhang mit der Organspende stehenden Folgekosten (Krankenhausaufenthalte, Reha-Maßnahmen, Arbeitsausfall etc.) übernehmen. Personenbezogene Daten können zu Forschungszwecken an Dritte (z. B. an Pharmafirmen) weitergeleitet werden. Der Organhandel sowie das Übertragen und das Sich-Übertragenlassen gehandelter Organe und Gewebe werden unter Strafe gestellt.

 

 

Denn eines darf man nie vergessen: Organspenden können Leben retten. Wir haben Ihnen das in unserem vorletzten Heft an einem persönlichen Beispiel vorgestellt. 1.104 Patienten starben im Jahre 2011 in Deutschland, während sie auf Spenderorgane warteten. Das sind drei Menschen pro Tag. Rund 12.000 Menschen warten derzeit auf eine Organspende. Bislang wurden Organtransplantationen in Deutschland durch die Bundesärztekammer, Eurotransplant und die Stiftung Organtransplantation geregelt. Eine staatliche Aufsicht über den Bereich Organspende gab es nicht. Nach dem Organspendeskandal an den Unikliniken Göttingen und Regensburg wurde ganz deutlich, dass eine bessere Überwachung von Transplantationen und

 

eine höhere Transparenz der Abläufe notwendig sind. Es ist bedauerlich, dass die Geldgier und die Missachtung der ärztlichen Standesehre Einzelner nun vielleicht dazu führen, dass Menschen ihre Spenderbereitschaft zurücknehmen. Vertrauen in die Ärzte und in die Abwicklung der Organübertragungen müssen hier durch Transparenz, Offenheit und ein verlässliches Regelsystem erhalten werden.

 

Gabriela Teichmann / Andrea Hoffmann

 

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