Lebensfeuermessung im Kleinwalsertal

Es ist nie zu spät: Auch als „Bestager“ oder „Silversurfer“ kann man noch damit beginnen, durch Sport, ausgewogene Ernährung und genügend Entspannungsphasen seine Leistungsfähigkeit zu steigern.

Ich hänge in der Felswand! Angeseilt und gesichert mit zwei Karabinerhaken, unter mir 30 Meter weit nichts, dann wild zerklüftete Felsen und Geröll. Ob ich schwindelfrei sei, hat mich Samuel (30), Bergführer der Bergschule im Kleinwalsertal, eben noch gefragt. Und ehe ich mich versehe, geht es los: eine Stunde auf direktem Wege den Klettersteig zur Kanzelwand hoch und dann zur Hammerspitze (2170 m) hinauf. Noch gestern hätte ich jedem gesagt: „Klettern, das ist nichts für mich. Dafür muss man jung sein, das fängt man mit über 50 nicht an.“ Und nun hänge ich hier in der Wand und spüre wie mir erst die Knie zittern und dann tatsächlich nach und nach das Adrenalin hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Eine Woche zuvor: Lebensfeuermessung
24 Stunden lang dauert die Aufzeichnung mit dem Messgerät, das ich am Körper trage. Puls und Herzfrequenz werden mitgeschnitten und dazu muss ich in einem Fragebogen präzise notieren, was ich grade tue: Schlafen, essen, arbeiten, Autofahren oder Sport treiben, alles wird genau festgehalten.

Am nächsten Tag geht das Paket mit Messgerät und Fragebögen zurück ins Kleinwalsertal im österreichischen Vorarlberg. Das grenznahe Tal hinter dem deutschen Oberstdorf ist Europas erste „Lebensfeuerregion“.
Entwickelt wurde die Lebensfeuermessung vom Mediziner Dr. Alfred Lohninger. Seinem Ansatz liegt die Erkenntnis zugrunde, dass das Autonome Nervensystem alle wesentlichen Funktionsabläufe im menschlichen Organismus steuert. Das Zusammenspiel von Sympathikus (Leistung) und Vagus (Regeneration) wird dabei durch die Messung der Herzratenvariabilität erfasst und vom Gerät aufgezeichnet. Kausalitäten zwischen Anspannung, Müdigkeit oder Gereiztheit mit den täglichen Aufgaben oder Verrichtungen sollen durch die zusätzlichen schriftlichen Aufzeichnungen aufgedeckt werden. Ziel ist neben der Erhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit, Erkenntnisse über Stressauslöser und Vorbeugung in Sachen Burnout, dem überall lauernden Schreckgespenst unserer Zeit, zu gewinnen.

Anreise mit dem Autozug
Spätabends in Hildesheim beginnt meine Anreise ins Kleinwalsertal mit dem Autozug. Bis München schlafe ich im Liegewagen, während mein Auto „Huckepack“ mitkommt. Gut zweieinhalb Stunden Fahrt sind es dann noch bis ins Hotel Erlebach in Riezlern. Hier erwartet mich Sara Bischof, Juniorchefin des Hauses und speziell ausgebildeter Lebensfeuer®-Professional. Sie präsentiert mir die Auswertung meiner Lebensfeuermessung und erklärt mir, wie ich Stress verarbeite, wie meine ideale Ernährung aussieht und wie es um meine Erholungsphasen steht. Ich kann die Erkenntnisse weitgehend bestätigen, mit auf den Weg bekomme ich den Hinweis, dass ich tiefer durchatmen, mehr Eiweiß zu mir nehmen und noch intensiver Sport treiben sollte. Das überrascht mich als regelmäßige Läuferin und Nordic Walkerin dann doch. Aber die Auswertung meiner Werte sagt, dass ich nicht ausgelastet bin und sowerde ich für den nächsten Tag in die Berge geschickt.

Wellness und typgerechtes Abendessen
Nach meinem adrenalinhaltigen Klettererlebnis gönne ich mir im Hotel Erlebach dann noch drei Saunagänge im Wellnessbereich. Danach erwartet mich schon mein typgerechtes Abendessen: hervorragendes einheimisches Galloway Rind begleitet von regional erzeugtem Gemüse. Die Bewegung an der frischen Bergluft sorgt für guten Appetit. Und so wundert es mich überhaupt nicht, dass ich nach dem ereignis- und erkenntnisreichen Tag einen tiefen, erholsamen Schlaf genieße. Mein Fazit: Es ist nie zu spät, etwas zu ändern und mal was Neues zu probieren. Gut begleitet wie in der Lebensfeuerregion im Kleinwalsertal fühle ich mich dabei mutiger als ich es sonst gewesen wäre. Im Kopf behalte ich das Motto meines Bergführers Samuel:
„Der Puls rast, der Geist ruht.“

  • Gabriela Teichmann

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