Respekt vor dem menschlichen Körper

wittke-A9Dr. Michael Wittke, Orthopäde im Gesundheitscentrum in der Sägemühlenstraße, über ganzheitliche Behandlungsmethoden in der Orthopädie.

Der Mensch ist ein hochkomplexes System und besteht aus zahlreichen Unter- und Teilsystemen, zwischen denen eine ständige Wechselwirkung besteht. Er ist ein sich selbst organisierendes und regulierendes biologisches System. In jedem Augenblick unseres Lebens werden Milliarden von Zellen, Hunderte verschiedener Gewebe und Organe, 206 Knochen, 650 Muskeln sowie 68 Gelenke vom Nervensystem organisiert und reguliert.

 

Störungen im System

Der Mensch ist ein funktionierendes Ganzes durch das geordnete Zusammenspiel seiner Teilsysteme. Sind Selbstorganisation und Selbstregulation gestört, entsteht Unordnung im System. Wir verstehen Symptome, Beschwerden und Krankheit als eine vorübergehende (akute) oder dauerhafte (chronische) Unordnung im System. Ob Kniegelenkschmerzen, Bandscheibenvorfall oder eine Migräne – die Ursache kann weit entfernt vom Symptom liegen. Das Nervensystem koordiniert komplexe Bewegungsabläufe wie das Gehen auf zwei Füßen gegen die Schwerkraft. Die erforderlichen Informationen für diese Steuerung kommen aus dem Körper selber: Rezeptoren u.a. in Gelenken, Sehnen und Muskeln. Jede Störung dieses komplizierten Prozesses zwischen Reizaufnahme, Verarbeitung und Steuerungsausgang kann eine Dysbalance im Bewegungssystem verursachen. Die Folge ist eine Fehlfunktion und schließlich an der schwächsten Stelle in der Bewegungskette die schmerzhafte Überlastung. Bei symptomorientierter Behandlung kann die dauerhafte Fehlfunktion über den Faktor Zeit zu Formstörungen (Arthrose, Bandscheibenvorfall etc.) führen. Die Form folgt der Funktion.

 

Ganzheitliche Behandlung von Funktionsstörungen

Grundlage meiner Behandlung ist die Philosophie, dass sich das System selbst organisiert und reguliert. Entscheidend sind die Faktoren, die die Selbstheilung verhindern. Dieses Denken ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Behandlungsmethoden.

 

Ein Beispiel: Kniegelenkschmerz. Während oftmals ausschließlich das Knie behandelt und nur dort nach der den Schmerz auslösenden Ursache (Zerrung, Meniskusläsion, Knorpelschaden) gesucht wird, frage ich mich, was immer wieder zur Fehlbelastung führt und die Selbstheilung verhindert. Eine mögliche Antwort könnte lauten, dass ein Beckenschiefstand z.B. als Folge einer Kiefergelenkstörung bzw. eines falschen Bisses bei jedem Schritt zu einer ungünstigen Kraftübertragung im Kniegelenk führt und sich über den Faktor Zeit ein Knorpelschaden entwickelt. Auch eine Fehlstellung im Fuß, die über die aufsteigenden Muskelketten eine Dysbalance am Becken zur Folge haben kann, wäre ebenso wie alte Verletzungen als weitere Ursachen möglich. Diese Wechselbeziehungen sind nicht auf einem Röntgenbild oder im MRT (Kernspintomographie) erkennbar. Mit Hilfe der Applied Kinesiology ist es möglich, Wechselbeziehungen einzelner Teile im gestörten System zu untersuchen und ihre Bedeutung für den Patienten einzuschätzen. Somit können die Faktoren aufgedeckt werden, die für die Störung im Gesamtsystem entscheidend sind, auch lässt sich so eine Behandlung finden mit dem Ziel, das Zusammenspiel zwischen Nervensystem, Muskulatur und Gelenk zu verbessern. Dadurch ändern sich die Haltung und Beweglichkeit des Körpers. Ein neues und gesundes Gleichgewicht kann entstehen.

 

  • Dr. Michael Wittke

 

 

 

Schreibe einen Kommentar