Sommerliche Leichtigkeit

TitelbildWohlbefinden fördert die Gesundheit

Kaum eine Jahreszeit verströmt so viel Vitalität und Gesundheit wie der Sommer. Man ist viel an der frischen Luft, bewegt sich sportlich, genießt Sonne und Wasser. Und das Angebot an frischem Obst und Gemüse aus der Region verführt sogar eingefleischte Nicht-Vegetarier zu „grünen“ Exzessen. Keine Grillparty ohne Salate, kaum ein Nachtisch oder Kuchen ohne Obst – die Gesundsaison lädt zu Genuss und Wellness ein.

Wer sich um seine Gesundheit kümmern möchte, der kann das in den Sommermonaten mit besonderer Leichtigkeit tun. Das fängt bei mehr Bewegung an und hört beim gesunden Essen noch längst nicht auf. Auch die seelische Gesundheit kommt nicht zu kurz, beim Auftanken im Grünen, einem langen Spaziergang oder schlicht bei einem entspannten Besuch im Straßencafé. Erholung kann auch in der nächsten Umgebung gefunden werden, jenseits der Urlaubsreisen.

Schutz und Vermeidung

Allerdings scheint der Sommer auch Gefahren zu bergen. Sehr gesundheitsbewusste Menschen vom vorsichtigen Schlag können von den vielen Hinweisen, Meldungen, Warnungen leicht verunsichert werden. Der vielzitierte Heuschnupfen und andere Allergien treten nur jetzt auf. Menschen, die gegen Bienen- oder Wespenstiche allergisch sind, müssen nun besonders vorsichtig sein. Was für die Meisten nur schmerzhaft und lästig ist, ein Stich, kann für sie lebensbedrohlich werden. Etwa vier bis fünf Prozent der Bevölkerung sind gegen Bienen- und Wespenstiche allergisch. Und auch auf einen harmlos erscheinenden Mückenstich reagieren manche Menschen mit Schwellung und juckendem Ausschlag. Hier wissen Arzt und Apotheker Rat.

Und dann die Sonne! Einerseits dringend ersehnt und für das Pflanzenwachstum ebenso wichtig wie etwa für die körpereigene Vitamin D Produktion. Außerdem wirkt das sommerliche Mehr an Licht stimmungsaufhellend. Andererseits ist zuviel Sonne ungesund, kann die Haut schädigen und zu Krebserkrankungen führen. Hier helfen eine gute Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (und möglichst wenig eventuell allergieerzeugenden Duftstoffen) und Schatten, sei es durch bedeckende Kleidung oder einen Sonnenhut. Und auch im Schatten eines Schirms oder Baumes wirken die Sonnenstrahlen förderlich.

Kalorienbewusste und gesunde Ernährung, gern auch fleischfrei, ist im Sommer besonders leicht. Aber die vielfältigen Mittel, mit denen Obst und Gemüse gegen Schädlingsbefall gespritzt werden, können auch zu unangenehmen Nebenwirkungen führen. Wer nicht auf naturbelassene und ökologisch produzierte Erzeugnisse zurückgreifen möchte, sollte vor dem Verzehr gut waschen oder schälen. Und wegen der Wärme verderben ungekühlte Lebensmittel schneller, was beim unbemerkten Verzehr zu Bauchgrimmen, Durchfall oder Schlimmerem führen kann. Die Liste ließe sich unerfreulich lang fortsetzen.

Zuviel des Guten

Es ist gut und förderlich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Aber zuviel Sorge um die eigene Gesundheit ist dann tatsächlich wieder ungesund. So gibt es mittlerweile den Begriff „Orthorexia nervosa“, ein schulmedizinisch noch nicht anerkanntes Krankheitsbild, bei dem die Betroffenen ein auffallend (bis krankhaftes) verlangen haben, sich gesund zu ernähren. Steven Bratman, ein US-amerikanischer Arzt, der diesen Begriff in den 1990er Jahren geprägt hat, hat sich jahrelang mit speziellen Diäten beschäftigt. Ihm zufolge sind vor allem solche Ernährungsphilosophien problematisch, die ein besonderes Heilsversprechen transportieren oder Schutz vor Krankheiten aller Art versprechen. Und auch Krankheitsbilder wie Zöliakie (auch Sprue genannte Glutenunverträglichkeit) oder Laktoseintoleranz werden von weit mehr Menschen für sich reklamiert, als medizinisch tatsächlich betroffen sind. Die Beschäftigung mit Gesundheit kann im Übermaß auch krank machen.

Genuss und sommerliche Leichtigkeit

Fotolia 42158128 M-2 opt kopieDoch hier kann man mit Genuss und sommerlicher Gelassenheit gegensteuern. Denn Genuss gehört zum gesunderhaltenden Wohlbefinden unabdingbar dazu. Der österreichische Philosoph Robert Pfaller betont in seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“, dass es entscheidend sei, „dass wir uns nicht ständig vor dem Tod fürchten, sondern vielmehr vor schlechtem Leben.“ Und zum „schlechten Leben“ gehört für ihn auch übertriebene Sorge, ein Übermaß an Gesundheits-, Verhaltens- und Lebensregeln und zu viele selbstauferlegte Verbote. Er legt dar, dass sehr viele aktuelle Vorschläge zur Verbesserung von Sicherheit, Gesundheit und so weiter oft weniger als Anregungen, sondern vielmehr als Paniken vorgebracht würden, „die sofort nach Verboten verlangen. Hier wird anscheinend unbewusst eine bestimmte Idee von Unsterblichkeit verfolgt, als wäre dies ein höchstes Gut, dem man alles andere selbstverständlich opfern muss.“

Unser Lebensverhalten und Gesundheitshandeln werde oft von Angst bestimmt meint der Philosoph. Und dadurch setzen wir uns unter Druck und vergessen, spontan zu leben und zu handeln. „Wir erleben nicht mehr den äußeren Druck, uns auf irgendeine Weise akzeptabel zu verhalten, sondern den inneren Druck, immer vernünftig zu sein. Das heißt: möglichst effizient zu handeln, uns permanent selbst zu optimieren und alles zu vermeiden, was zwar lustvoll, aber scheinbar schlecht für uns ist. Deshalb trinken wir Bier ohne Alkohol, essen Margarine ohne Fett und haben im Internet Sex ohne Körperkontakt. Wer nur vernünftig ist, funktioniert wie eine Maschine. Das ist nicht lebenswert“, sagte er in einem Interview mit der ZEIT.

In diesem Sinne ist es sehr gesundheitsförderlich, die Einladung des Sommers anzunehmen, mehr Bewegung, Leichtigkeit und Frische ins Leben zu bringen und die schönen Tage so oft wie möglich entspannt zu genießen. Das tut Körper und Seele gleichermaßen gut.

  • Andrea Hoffmann

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