Schlechter Atem – Halitosis

Mundgeruch

(c) A. Hirschfeld

Mundgeruch ist zwar weit verbreitet, wird aber meistens tabuisiert. Häufig liegt es daran, dass viele der festen Überzeugung erliegen, es gebe hierfür keine Therapie (Magenlegende). Zahlreiche Patientenschicksale sind bekannt, bei denen die Betroffenen ein Leben lang an starkem Mundgeruch gelitten haben, ohne dass man Sie darauf aufmerksam gemacht hätte. Erst die Enkelkinder waren frei genug, es den Betroffenen zu eröffnen.

Neben den Betroffenen, die sich vielleicht etwas unsicher fühlen und sich über die Reaktionen anderer Menschen wundern, sind es vor allem die Lebenspartner der Betroffenen, die unnötigerweise unter diesem Problem leiden. Das Problem ist bereits so alt, dass es in der jüdischen Thora ein Scheidungsgrund ist, wenn ein Ehepartner unter starkem Mundgeruch leidet. Länder wie Schweden, Großbritannien und den USA haben inzwischen spezielle Kliniken, die sich mit der Halitosis beschäftigen. Viele von uns haben schon einmal an schlechtem Atem gelitten. Bei den meisten Betroffenen ist dies lediglich vorübergehend.

Auslöser von kurzzeitigem, bakteriell verursachtem Mundgeruch:

  1. Nahrung, wie z. B. Knoblauch oder Meerrettich, Pökelwaren, aber auch Gewürze
  2. Genussmittel, wie Kaffee, Alkohol und Rauchen (besonders Pfeife und Zigarre)
  3. Hormonumstellung, durch die Pubertät,Schwangerschaft oder
  4. Medikamenteneinnahme, wie z. B. schwefelund nitrathaltige („Herztropfen“); Medikamente, die zu Mundtrockenheit führen
  5. Nulldiät/ Fasten

Dauerhaft zu Mundgeruch, ohne Bakterien als Ursache, können auch einige Erkrankungen führen wie beispielsweise ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder sehr selten schwere Leber- und Nierenerkrankungen. Daneben leiden aber auch viele Menschen langanhaltend oder wiederkehrend unter bakteriell bedingtem Mundgeruch. Nach neueren Erkenntnissen liegen die Gründe für diesen Geruch zu etwa 85% im Bereich des Mundes. Weitere Gründe können im Hals-Nasen-Ohren- Bereich liegen oder internistisch begründet sein. Recht selten ist jedoch der Magen Ausgangspunkt für Mundgeruch.

Verursacher

Verantwortlich für die Geruchsbildung sind eiweißzersetzende Bakterien: Über 300 verschiedene Bakterienarten befinden sich in der Mundhöhle, von denen ca. 80 schlechte Gerüche bilden. Sie setzen Schwefelverbindungen frei, die insbesondere für Außenstehende deutlich wahrnehmbar sind.

Problematisch ist, dass es sich bei diesen geruchsauslösenden Keimen um Bakterien handelt, die ohne Sauerstoff leben (Anaerobier) und die sich daher in Nischen mit wenig Sauerstoff „verstecken“. Diese Lebensräume sind Zahnzwischenräume, Zahnfleischtaschen, Zahnersatz, aber auch sehr häufig die Einziehungen auf dem Zungenrücken, hier besonders im hinteren Anteil der Zunge. Auch ein zu geringer Speichelfluss (Dehydratation) – häufig verursacht durch Drogen, Medikamente oder auch hormonbedingt – kann ebenso wie die Zusammensetzung des Speichels als Ursache oder zumindest als Verstärker des Problems in Frage kommen.

Weitere Gründe, die das Problem verstärken, sind allgemeine Erkrankungen (Stoffwechselstörungen oder Erkrankungen des Immunsystems), aber auch Stress. Das gestörte Gleichgewicht der Bakterien in der Mundhöhle kann somit zu einem Wuchern der geruchsbildenden Bakterien führen.

Was kann man tun?

Um das Problem schlechter Atem zu beseitigen oder zu reduzieren, nützt es nichts, nur an den Symptomen zu arbeiten, sondern es muss eine gründliche Anamnese erhoben und untersucht werden, wodurch der schlechte Geruch verursacht wird.

Hierbei hilft ein Messgerät für schwefelhaltige Verbindungen (Halimeter), das neben der Stärke des Geruchs auch den Ort der Entstehung aufzeigt. Die Objektivierung der Konzentration von schlecht riechenden Gasen ist auch für die Patienten wichtig, die fälschlicherweise glauben, an Mundgeruch zu leiden.

Individuelle Therapie gemäß der Diagnose

Gegebenenfalls muss der Patient auch an einen Facharzt überwiesen werden, insbesondere, wenn als Ursache der Geruchsbildung die Nase oder Lunge identifiziert wurde. Ist die Mundhöhle die Quelle für die Halitosis, kann der Patient durch gezielte Reinigung der Nischen in der Mundhöhle von den sich ansonsten bildenden Bakterien befreien. In schwereren Fällen wird der Einsatz von keimzahlreduzierenden chemischen Hilfsmitteln notwendig.

Bei der Vielzahl der möglichen Maßnahmen wird dann sinnvollerweise durch weitere Messung der riechenden Schwefelverbindungen das geeignetste Hilfsmittel ausgewählt und der Erfolg kontrolliert.

Bild & Text: A. Hirschfeld